Pressemitteilung vom 16.05.2013

Zum Start der Badesaison:
Flüsse und Seen müssen „auf Diät"! 

Viele Flüsse und Seen sind zu gut genährt, was das Algenwachstum fördert
und den ökologischen Zustand mindert. Ihr Wasser ist trübe, sauerstoffarm und
riecht unangenehm. Solche Gewässer stellen für viele Tiere und Pflanzen keinen
geeigneten Lebensraum dar. Auch für den Menschen sind dies mit Beginn der
Badesaison trübe Aussichten.

Abhilfe sollte Nährstoffverminderung schaffen. Die Gewässer wurden auf Diät
gesetzt. Bisher ging man davon aus, die Gewässergüte über den Phosphorgehalt
steuern zu können: je weniger Phosphor, desto besser die Gewässergüte.
Tatsächlich wurde so eine Verbesserung vieler, aber längst nicht aller Gewässer
erreicht. Weniger beachtet wurde bisher die Möglichkeit, dass auch Stickstoff
die Gewässergüte beeinflusst. Brauchen wir nun zusätzlich die Stickstoff-Diät?

Dies aufzuklären, ist Ziel des Forschungsprojektes NITROLIMIT.
Wissenschaftler aus sieben Forschungseinrichtungen erarbeiten gemeinsam, ob
Stickstoffreduktion ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist. Nach
zweijähriger Forschungsarbeit präsentierten sie heute beim Statusseminar von
NITROLIMIT in Berlin erste Ergebnisse.

Im Visier der Wissenschaftler standen 373 Seen vom südlichen Brandenburg
bis zur Ostsee. Drei Viertel dieser Seen befindet sich in einem mäßigen bis schlechten
ökologischen Zustand. Das ist weit entfernt von den Forderungen der
Europäischen Union, denen zufolge bis 2015 alle Seen einen guten ökologischen
Zustand erreicht haben sollen. Es konnte gezeigt werden, dass die Algenbiomasse
in 43 Prozent der Seen durch Phosphor und in 36 Prozent durch Stickstoff
begrenzt wird. Demnach ist Stickstoff für die Gewässergüte weit häufiger
ausschlaggebend als bisher angenommen. Besonders in Seen von geringer Tiefe,
beispielsweise dem Berliner Müggelsee, ist Stickstoff für die Algenentwicklung
im Sommer entscheidend. In solchen Gewässern könnte eine Verbesserung des
ökologischen Zustandes daher durch eine Verminderung der Einträge von
Stickstoff erzielt werden. Die Ergebnisse belegen, dass die bisheriger
Anstrengungen zur Verbesserung der Gewässergüte durch Minderung der Einträge
von Phosphor richtig waren. Sie zeigen jedoch auch, dass zusätzlich die
Reduktion der Einträge von Stickstoff in Erwägung gezogen werden sollten.

Die Wissenschaftler sind auch der Frage nachgegangen, aus welchen Quellen
Stickstoff stammt. Am Beispiel der Unteren Havel bei Berlin konnten sie zeigen,
dass die Hälfte des Stickstoffs aus landwirtschaftlichen Flächen, vornehmlich
in Form überschüssiger Düngemittel, und ein weiteres Viertel aus urbanen Gebieten,
beispielsweise Kläranlagen stammen. Will man Stickstoffeinträge reduzieren,
besteht somit das größte Potenzial in der Landwirtschaft. Welche Maßnahmen sich
hierfür eignen und, welche Kosten damit verbunden sind, soll bis Ende 2013
ermittelt werden. Auch Verminderungen der Stickstoffeinträge aus urbanen
Gebieten, beispielsweise aus Kläranlagen, wurden berücksichtigt.
Großkläranlagen entfernen etwa 80 Prozent des Stickstoffs aus dem Abwasser. In
NITROLIMIT wurde ermittelt, dass zur Steigerung der Reinigungsleistung Kosten
in Höhe von 5 bis13 Euro pro Kilogramm Stickstoff entstehen, was sich auf
mehrere Millionen Euro pro Jahr aufsummiert. Dieses Beispiel illustriert, dass
Gewässerschutz mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden ist, die letztlich
auch der Steuerzahler trägt.
Um zu klären, ob Stickstoffreduktion ökonomisch vertretbar ist, wurden
daher nicht nur Kosten der Gewässersanierung, sondern auch die
Zahlungsbereitschaft von Bürgern ermittelt. Erste Ergebnisse aus Berlin und
Brandenburg zeigen, dass bei einer Zahlungsbereitschaft von 50 Euro pro
Haushalt und Jahr Investitionen von 284 Millionen Euro für den Gewässerschutz
vertretbar sind. Den Umfrageergebnissen zufolge greift der Berliner dabei
übrigens gern tiefer in die Tasche als der Brandenburger. Bis Ende 2013 will
das NITROLIMIT Team eine Kosten-Nutzen-Analyse für ausgewählte Regionen in
Berlin und Brandenburg vorlegen. Die bisherigen Ergebnisse deuten bereits
darauf hin, dass eine Verminderung der Einträge von Stickstoff für viele
Gewässer nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll, sondern auch aus
ökonomischer Sicht vertretbar ist.

NITROLIMIT wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Das Projekt wird von der BTU Cottbus geleitet und gemeinsam mit Wissenschaftlern
der Bundesanstalt für Gewässerkunde, dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin, dem
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, der Technischen
Universität Berlin und der Technischen Universität Dresden realisiert.

 

Weitere Informationen sind auf www.nitrolimit.de zu finden.

Kontakt:
Dr. Claudia Wiedner, Verantwortliche Wissenschaftlerin, Projektkoordination
Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Lehrstuhl Gewässerschutz

Seestraße 45
15526 Bad Saarow
Tel.: 033631-8943
Fax: 033631-5200
E-Mail: wiedner(at)tu-cottbus.de

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

Pressemitteilung vom 15.03.2011

Heute Start des BMBF-Verbundforschungsprojekts NITROLIMIT
Stickstofflimitation in Binnengewässern – Ist Stickstoffreduktion ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar?

Der Großteil unserer Seen und Flüsse ist weit von einem guten ökologischen Zustand entfernt. Hohe Nährstoffbelastung verursacht in vielen Gewässern starkes Algenwachstum, was eine Beeinträchtigung der Gewässergüte zur Folge hat. Bisher ging man davon aus, die Algenbiomasse über den Phosphorgehalt steuern zu können: je weniger Phosphor, desto weniger Algen. Tatsächlich wurde so eine Verbesserung zahlreicher, aber längst nicht aller Gewässer erreicht. Da auch Stickstoff für das Algenwachstum entscheidend sein kann, wird zur langfristigen Verbesserung der Gewässergüte nun verstärkt die Reduzierung der Stickstoff-Einträge gefordert. Um die Erfolgsaussichten und den entstehenden Kostenumfang einschätzen zu können, fordern öffentliche und wirtschaftliche Maßnahmenträger, zunächst den Nutzen einer Stickstoffreduktion zu prüfen.

Dies zu klären ist Ziel von NITROLIMIT. Das Forschungsprojekt soll die wissenschaftliche Grundlage schaffen, um beurteilen zu können, inwieweit Stickstoffreduktion ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist.

Im Fokus der Forschung stehen dabei:

  • Ermittlung des Einflusses von Stickstoff auf die Algenbiomasse und die Gewässergüte
  • Quantifizierung von Stickstoffeinträgen, ihrer gewässerinternen Umsetzung und Austräge
  • Abschätzung der zukünftigen Entwicklung der Gewässergüte bei verminderten Stickstoffkonzentrationen für verschiedene Klimaszenarien
  • Erstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Verringerung der Stickstoffeinträge und Analyse der Kosten der jeweiligen Maßnahmen

NITROLIMIT setzt zudem auf den Dialog mit öffentlichen und wirtschaftlichen Maßnahmenträgern. In Stakeholder-Workshops werden sie über Projektinhalte und -ergebnisse informiert und in die Diskussionen über mögliche Reduktionsmaßnahmen direkt eingebunden.

NITROLIMIT wird von der BTU Cottbus geleitet und gemeinsam mit Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB), dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der Technischen Universität Berlin und der Technischen Universität Dresden realisiert.

NITROLIMIT wird von zahlreichen assoziierten Partnern unterstützt. Der Berliner Senat und die Berliner Wasserbetriebe beteiligen sich an den praktischen Forschungsarbeiten und Mitglieder der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) stellen dem Projekt Gewässerdaten zur Verfügung.

In einer öffentlichen Auftaktveranstaltung mit 150 Gästen wird NITROLIMIT heute am 15. März 2011 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin vorgestellt. In Verbindung hiermit findet der erste Stakeholder-Workshop statt.

Weitere Informationen sind auf www.nitrolimit.de zu finden.

Kontakt:
Dr. Claudia Wiedner, Verantwortliche Wissenschaftlerin, Projektkoordination Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Lehrstuhl Gewässerschutz

Seestraße 45
15526 Bad Saarow
Tel.: 033631-8943
Fax: 033631-5200
E-Mail: wiedner(at)tu-cottbus.de

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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