Fazit und Empfehlungen

NITROLIMIT hat gezeigt, dass nicht nur Phosphor, sondern auch Stickstoff eine relevante Steuergröße des Phytoplanktons und damit des ökologischen Zustandes von Gewässern darstellt. Eine Minderung der Stickstoffkonzentration lässt insbesondere für viele Flachseen und Flussseen eine Verbesserung des ökologischen Zustandes erwarten.

Bedenken, nach denen Maßnahmen zur Minderung der Stickstoffkonzentrationen in Gewässern nicht zielführend sind, weil sie durch Stickstofffixierung von Cyanobakterien ausgeglichen werden oder weil sinkende Nitratkonzentrationen die Freisetzung von Phosphor aus den Gewässersedimenten steigern, konnten für die Untersuchungsgewässer in NITROLIMIT weitestgehend ausgeräumt werden. Stickstofffixierende Cyanobakterien (Nostocales) gelangen nicht oder nur selten zur Dominanz und ihr Beitrag zum jährlichen Eintrag von Stickstoff ist gering. Nur im Hochsommer kann durch N2-Fixierung ein relevanter Eintrag von Stickstoff (bis zu einem Viertel des Stickstoffbedarfs des Phytoplanktons) erfolgen. Eine Reduktion der Stickstoffkonzentration können Nostocales kurzfristig zu einem geringen Teil durch N2-Fixierung kompensieren. Langfristig führt eine Senkung der Stickstoffkonzentration jedoch zu einer Abnahme ihres Biovolumens. Nitrat beeinflusst die Bindung bzw. Freisetzung von Phosphor aus dem Sediment meist nur in geringem Maße. Hier spielen andere Prozesse (redoxunabhängige P-Bindungsmechanismen), an denen Nitrat nicht beteiligt ist, eine größere Rolle. In der Mehrzahl der Seen ist die Nitratkonzentration im Sommer bereits so gering, dass sie sich nicht mehr regulierend auf die Bindung bzw. Freisetzung von Phosphor auswirkt. Besonders in den Flachseen wird davon ausgegangen, dass eine weitere Senkung der Nitratkonzentrationen nicht zu einem bedeutenden Anstieg der Phosphorrücklösung aus dem Sediment führt.

Auf den ökologischen Zustand von Fließgewässern wie der Elbe hätte eine Stickstoffreduktion zunächst keinen Einfluss, da andere Faktoren die Biomasse des Phytoplanktons begrenzen. Im Fließgewässernetz wird ein Teil der Stickstofffracht zurückgehalten oder eliminiert, große Mengen erreichen jedoch die Ästuare und Küstengewässer. Eine Verminderung der Stickstoffeinträge in Fließgewässer ist daher vor allem anzustreben, um den trophischen Zustand der Küstengewässer zu verbessern.

Zahlreiche Ergebnisse in NITROLIMIT konnten demnach zeigen: Stickstoffreduktion ist ökologisch sinnvoll.

Nach den EU-Beschlüssen zur Umsetzung der WRRL sollten Maßnahmen, die zu einer Verbesserung des ökologischen Zustandes führen, umgesetzt werden. In Deutschland sind aufgrund der großen Zahl von Seen, die sich nicht in einem guten ökologischen Zustand befinden weiterreichende Anstrengungen notwendig, um die Ziele der EU-WRRL zu erreichen. Nach unseren Ergebnissen sollten dabei auch Maßnahmen zur Reduktion der N-Einträge berücksichtigt werden. Hier schließt sich die Frage an, ob N-Reduktion auch wirtschaftlich vertretbar ist. In drei Fallstudien wurden daher Möglichkeiten, Kosten, Nutzen und Akzeptanz von Stickstoffreduktionsmaßnahmen analysiert.

Am Beispiel der Berliner Unterhavel wurden Kosten für N-Reduktionsmaßnahmen mit dem Nutzen in Form der Zahlungsbereitschaft von Bürgern für den guten ökologischen Zustand gegenübergestellt. Danach ist der Nutzen einer Verbesserung der Gewässergüte größer als die damit verbundenen Kosten. Auch der Wert der Gewässer für Freizeit und Erholung spricht für weitere Bemühungen, den ökologischen Zustand zu verbessern.

Für Gewässer in Berlin wurde belegt, dass urbane Maßnahmen zur Nährstoffreduktion Erfolge zeigen, aber häufig nicht zum Erreichen des guten ökologischen Zustandes ausreichen.

Für ein ländliches Einzugsgebiet wurde gezeigt, dass für die Verbesserung des ökologischen Zustandes vor allem Stickstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Flächen reduziert werden müssen. Möglichkeiten hierzu bestehen durch eine Ausweitung der Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen. In Brandenburg und Berlin wurden jedoch entsprechende Fördermöglichkeiten bisher nicht ausgeschöpft. Insbesondere Landwirte mit überdurchschnittlicher Flächenausstattung lehnen Agrarumweltmaßnahmen überwiegend ab.

NITROLIMIT hat insgesamt aufgezeigt, dass durch Minderung der Stickstoffkonzentrationen in vielen Gewässern eine Verbesserung des ökologischen Zustandes erreicht werden kann und dass Möglichkeiten zur Reduktion von Stickstoffeinträgen bestehen, die auch wirtschaftlich vertretbar sind.

Daher empfehlen wir, zur Umsetzung der EU-WRRL zukünftig neben den Strategien zur Reduktionvon Phosphoreinträgen zusätzlich Strategien zu Reduktion von Stickstoffeinträgen in die Nährstoffreduktionskonzepte der Länder und Kommunen aufzunehmen und umzusetzen. Zielführend sind dabei die weitere Optimierung bzw. der Ausbau von Klärwerken und insbesondere die Reduzierung der Stickstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Flächen z. B. durch Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen. Da Letzteres auf Freiwilligkeit beruht, kann dies nur im Einverständnis mit den Landwirten erfolgen. Hier gilt es daher die Rahmenbedingungen und die Anreize zur Teilnahme zu verbessern.